Tag 4 Montag

Durch einen Tipp habe ich letztens Ildiko von Kürthys „Neuland“ gelesen. Bis dahin hatte ich eher einen Bogen um diese Autorin gemacht. Den Hype um „Mondscheintarif“ habe ich nie verstanden und für leichte Unterhaltung ziehe ich einen Krimi vor. Wann kam „Mondscheintarif“ heraus? Keine Ahnung. Aber anscheinend passte der Inhalt damals nicht zu meiner Lebensphase. Ganz im Gegenzug zu „Neuland“. Mittvierziginnen, die auf der Suche nach sich selbst sind. Ich habe  mich schlapp gelacht und an wirklich jeder Ecke (gruselige) Parallelen mit mir selbst gefunden. Daher lese ich nun von ihr ein weiteres Buch „Endlich“. Folgendes Zitat habe ich vorhin gefunden: Freundinnen, Schwestern, Frauen in der Mitte euers Lebens, ich sage euch: Wie ein hormongebeutelter Teenager hat auch die Frau um die vierzig das Gefühl, ihr Leben müsse mehr zu bieten haben, und ganz genauso wie mit vierzehn steht „Selbstverwirklichung“ wieder ganz oben auf der To-do-Liste der pubertierenden Frau.“

Hat mich meine zweite Pubertät hierher gebracht? Das Gefühl (noch mal) etwas ändern zu müssen? Ist die typische Unzufriedenheit einer Frau mit der aktuellen Situation gar keine beginnende Depression oder ein Burnout, sondern eine (nervige!? aber dazugehörende) Lebensphase? Ich merke, dass ich den Gedanken gerade ziemlich charmant finde. Bedeutet es doch, dass man sich mit irgendwelchen Fragestellungen aus seiner Vergangenheit nicht näher beschäftigen muss. Ok. Meine körperlichen Symptome erklärt das nicht ganz. Aber nach zwei Steißbeinbrüchen in meinem Leben, mit einer zu stark gekrümmten Wirbelsäule und mit einer Unterkieferfehlstellung gäbe es auch genügend physiologische Gründe für meine Schulter- Nackenproblematik.

Gerade tut mir mein Mann leid. Er hätte nach dieser Logik zwei Pubertierende im Haus. Unseren 15-jährigen Sohn, der seine Identität und seine Sexualität entdeckt und definitiv nicht mehr der Papa anhimmelnde, kleine Sohn ist und mich. Uaah. Da bewundere ich seine stoische Ruhe dann doch. Obwohl sie mich sonst zur Weißglut treibt. Nicht einmal richtig streiten kann man oder in dem Fall frau sich mit ihm. Oft prallt das einfach an ihm ab. Jedenfalls wirkt es so. Ein paar Mal habe ich das in den letzten Monaten versucht auszureizen, irgendeine Resonanz zu spüren. Nichts. Nur einmal kam der Warnhinweis, wenn ich jetzt weitermachen würde, dann flippt er aus. Da habe ich es gelassen. Das wollte ich nicht. Das war wie die Büchse der Pandora. Mein Gefühl sagte mir, wenn der Deckel hochgeht, kriege ich den so schnell nicht wieder dicht. Ist das feige oder habe ich doch noch ganz knapp die Kurve gekriegt?

Warum fällt es mir in jeder anderen Situation so außerordentlich schwer einen Konflikt zu fahren (blöde Managementsprache) und ich bin in meinem Berufsleben als Diplomatin und lösungsorientierte Schlichterin bekannt? Dagegen gehe ich bei meinem Mann und meinem Sohn jeder unterschiedlichen Meinung bis auf den Grund (wenn es denn einen gibt) und provoziere dabei Streit. Ich nerve sie beide. Während unser Sohn wenigstens ab und an zeigt, wenn er angepisst ist, zieht sich mein Mann eher zurück und wartet bis es vorbei geht. Ich merke es mittlerweile in der jeweiligen Situation. Kann es aber kaum verhindern. Würde es aber gern. Eigentlich müsste ich viel öfter außerhalb meiner Familie ungute Situationen klären und die kleinen Untiefen im Familienleben sauber umschiffen. Wissen ist aber noch lange nicht Können.

Heute hatte ich neben einer Schlammpackung noch einen Vortrag zur Entspannungstechnik. Die progressive Muskelrelaxation habe ich schon vor ein paar Jahren ausprobiert. Wieder ging es mir so, dass ich bei den Händen, Fingern und Armen noch richtig gut mitkam, dann wurde es mir zu schnell und ich konnte nichts mehr spüren. Aber es war erst ein Testlauf und findet noch öfter statt. Ich gebe dem Ganzen noch eine Chance. Irgendwie bin ich zu verkopft dafür. Ich muss mit meinen Gefühlen in Kontakt kommen.

Die Einführung ins Nordic Walking war richtig gut und ich glaube, ich habe tatsächlich kapiert, wie man die Stöcke richtig benutzt. Das Ellenbogengelenk hat Arbeitspause. Die Schultern machen den Job. Dann erwischt man auch alle notwendigen Muskelgruppen und schädigt sich nicht noch weiter orthopädisch.

Advertisements

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s