Sonntagsblues

Die Wetterberichte stimmen heutzutage so was von genau, dass man eigentlich die Hoffnung auf Sonne oder wenigstens Trockenheit gleich begraben kann, wenn Regen angesagt ist. Früh nieselte es nur ein wenig und so schaffte ich es, M. für eine kleine Runde vor dem Mittag zu motivieren. Kaum aus der Tür, wurde der Regen stärker und die Regenjacken zwingend notwendig. M. tat die Runde bei Regen gar nicht gut. Sie hängt seit zwei Tagen tief in den Seilen, schläft viel und kann sich zu nichts aufraffen. Wenn es ihr schlecht geht, schaltet ihr Körper in den Schlafmodus. Mittlerweile hat sie schon Rückenschmerzen vom vielen Liegen. Mir wurde klar, dass es mir dagegen wirklich noch gut geht. Ich habe immer noch Energie, bin nicht depressiv geworden. Helfen kann ich ihr nicht. Zuhören geht. Aber ich muss sehen, dass ich ab und an Distanz wahre und mir vielleicht noch einen anderen Kontakt hier aufbaue. Sie zieht mich mit runter, gerade wenn die Tage grau und regnerisch sind.

Nach dem Mittagessen habe ich mich hingelegt und so einen anderen Weg der Entspannung ausprobiert. Sonst versuche ich es eher über Bewegung und Aktivität. Mit zwei flachen Kissen habe ich so langsam eine Position als Seitenschäferin gefunden, die auch meine Schultern entlastet. Ich bin für eine Viertelstunde eingeschlafen und war danach erstaunlich fit. Meine Kopfschmerzen nach der Nacht habe ich immer noch. Genauso tut mir meine rechte Schulter weh und mein Nacken ist in unterschiedlichen Graden verspannt. Daran hat sich bisher nichts verändert. Schade. Nach 10 Tagen hatte ich gehofft, dass es eine Veränderung gibt. Mit drei Schmerztabletten in der gesamten Rehazeit bin ich aber deutlich unter dem Verbrauch zu vorher. Sehen wir es als kleinen Erfolg.

Den Nachmittag goss es in Strömen. Ich habe ein Buch gehört, gezeichnet und war dann Schwimmen. M. wollte auch kommen und in die Sauna gehen. Sie hat es nicht geschafft.

Nach dem Abendessen habe ich lange mit unserem Sohn telefoniert. Ich hatte ihm geschrieben, was mich hier her gebracht hat und mich für die stressbedingten Streits (nochmal) entschuldigt. Mir ist wichtig, dass er weiß, dass es nichts mit ihm und seinem Verhalten zu tun hat. Er hat den Blog gelesen. Ich bin komplett unsicher, ob es gut war oder eigentlich viel zu viel. Unser Sohn steckt knietief in seiner Pubertät, hat eh schon ein viel zu sensibles Empfinden für die Stimmungslagen um ihn herum und wird nun auch noch mit meiner Befindlichkeit konfrontiert. Meine gute Absicht, ihn mit dem Wissen zu entlasten, ihm klarzumachen, dass seine Mutter kein Psycho ist und ihn immer lieben wird, kann auch mächtig nach hinten losgegangen sein. Gut gemeint ist eben doch manchmal das Gegenteil von gut. Das Ganze hat meine Schuldgefühle ihm gegenüber eher noch verstärkt.

So in Gedanken verstrickt, war das Auftaktspiel der Deutschen gegen die Ukraine im überfüllten Clubraum kaum eine Ablenkung. Der Fernseher war viel zu klein, um an meinem Platz ganz hinten noch wirklich gut sehen zu können und ohne ein Bier macht Rudelgucken auch wenig Spaß. Mindestens einer hatte sich eine kleine Flasche reingeschmuggelt. Das löste nicht nur bei mir Neid aus. In der Halbzeitpause habe ich kurz mit meinem Mann telefoniert und ihn gebeten, einen Blick auf die Gefühlslage unseres Kindes zu haben. Verantwortung abgeben – das will ich ja auch lernen. Etwas entspannter habe ich die zweite Halbzeit gesehen und war froh, bis zum Ende geblieben zu sein. Das 2:0 in der Verlängerung brachte dann selbst mich zum Jubeln.

Sonntage sind ätzend hier. Nächstes Wochenende kann ich zum Glück kurz nach Hause.

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