Schlaflos – Zwischen den Welten

Tag 13 Mittwoch

Kann nicht einschlafen, dann kann ich auch den Post noch fertig schreiben. Herumwälzen im Bett bringt nichts. Lässt mich nur grübeln. Über den morgigen Tag. Ich habe wieder eine Einzeltherapie und will die Themen Wut, Schuld, Trauer ansprechen. Wobei die Schuld und die damit verbundene Scham im Vordergrund für mich steht. Das kann ich nämlich wunderbar – mich (fremd)schämen. Egal ob es bei meinem Mann, nach einem Bier beim ihm zu viel, ist oder der oberpeinliche Auftritt irgendeines Deppen im Fernsehen (der das meist freiwillig macht und auch noch Geld dafür kassiert). Ich halte das nicht gut aus. Dann möchte ich am liebsten im Erdboden versinken und erst wieder auftauchen, wenn die Situation vorbei ist. Auch wenn ich Fehler mache, geht es mir so. Ich bin mit dem Satz aufgewachsen: „Das macht man nicht. Was sollen die Leute davon denken?“ Das hätte ich morgen gern als mein Thema. Die Therapeutin will mich in meine Kindheit zurückführen. Ich soll mich an eine Erfahrung erinnern und sie will das begleiten.

Heute war eher ein ruhiger Tag. Ich konnte lange schlafen und hatte um 10:00 Uhr Passive Musiktherapie. Wir haben mehrere Tänze aus dem Nussknacker von Tschaikowsky gehört. Bilder hatte ich dazu keine, auch keine tiefgehenden Gefühle. Vielleicht sollte ich diese Therapieform abwählen. Ich habe mich nicht einmal besonders gut entspannt. Mein Rücken fand die Lage auf dem Boden doof und schmerzte weiter. Das Rückenproblem habe ich auch in der Chefarztvisite angesprochen. Man bot mir Schmerzmittel an. Nun gut, die habe ich auch selbst dabei. Eine manuelle Massage habe ich nicht bekommen aber meine Fangopackungen werden ausgeweitet.

Am frühen Nachmittag hatte ich meine erste Klangschalen-Entspannung. Das war eine geniale Erfahrung. Die Dame hat uns mit ihrer angenehmen Erzählstimme erst auf eine kurze Traumreise geschickt und uns dann die Schalen auf den Bauch gestellt und zum Schwingen gebracht. Die Resonanz spürte ich tief in mir. Kurz nach der Sitzung habe ich keine Veränderung bemerkt. Meine Nachruhezeit war leider sehr kurz, da ich noch eine Geräteeinweisung für den Fitnessraum im Anschluss hatte, aber später waren meine Rückenschmerzen weg. Komplett weg und das Ganze ohne eine Tablette. „Faszinierend.“, wie Mr. Spock sagen würde.

Die zu knappen Übergänge zwischen den einzelnen Anwendungen habe ich heute auch in der Visite beklagt. Morgen werde ich daher einen Termin ausfallen lassen. Der schweißtreibende Fitblock würde nahtlos in die Therapiestunde übergehen, das mache ich nicht mit. Ich soll hier auch lernen auf das zu schauen, was mir gut tut oder eben auch nicht. Bisher habe ich alle Maßnahmen mitgemacht, ich halte mich schon an die Spielregeln aber Eigenverantwortung habe ich auch.

Meine Jungs zu Hause waren heute zu einer Schweigeminute für die Opfer von Orlando. Ich wäre gerne bei ihnen gewesen. Sie haben mich per WhatsApp einbezogen. Aber dabei sein ist etwas anderes. Mein Mann hat sie begleitet – auch ohne mich. Damit habe ich nicht gerechnet. Es hat mich riesig gefreut, dass er es getan hat. Wir müssen ein Zeichen setzen gegen Homophobie. Öffentlichkeit ist wichtig. Gerade als Eltern sollten wir zeigen, dass wir stolz auf unsere Kinder sind. Mein Herz ist heute zu Hause und ich freue mich auf das Wochenende.

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